Encoignure: Definition und Geschichte des Eckmöbels
Was ist eine Encoignure?
Eine Encoignure ist ein für die Raumecke konstruiertes französisches Schrankmöbel. Der Grundriss folgt der Ecke, häufig mit einer winkligen Rückseite und einer gerundeten oder geschweiften Front. Der Begriff begegnet besonders bei französischen Möbeln des 18. Jahrhunderts.
Encoignuren konnten einzeln oder als Paar gefertigt werden. Sie boten Stauraum, nutzten sonst schwer möblierbare Ecken und dienten mit Furnieren, Lackpaneelen, vergoldeten Bronzebeschlägen und Steinplatten zugleich als repräsentative Ausstattung.
Encoignure: das Wichtigste in Kürze
| Möbeltyp | Französisches Eckschrankmöbel |
|---|---|
| Typische Zeit | Vor allem 18. Jahrhundert |
| Aufstellung | Diagonal beziehungsweise passgenau in einer Raumecke |
| Ausstattung | Tür oder Türen, Innenfach und häufig eine Stein- oder Marmorplatte |
| Verwandte Begriffe | Eckschrank, Eckkommode, corner cabinet |
Woran erkennt man eine Encoignure?
- Eckgrundriss: Die Rückseite ist für zwei aufeinandertreffende Wände ausgelegt.
- Repräsentative Front: Eine oder zwei Türen schließen den Stauraum.
- Deckplatte: Viele hochwertige Stücke tragen eine profilierte Stein- oder Marmorplatte.
- Furnier und Beschläge: Marketerie, Lack und vergoldete Bronze können die Form betonen.
- Paarweise Gestaltung: Spiegelbildliche Exemplare konnten gegenüberliegende Ecken symmetrisch besetzen.
Geschichte im französischen Möbelbau
Im französischen Interieur des 18. Jahrhunderts wurden Möbel und Wandgestaltung eng aufeinander abgestimmt. Encoignuren schlossen Ecken gestalterisch und funktional. Ein Paar Eckschränke von Bernard II van Risenburgh im Metropolitan Museum of Art, datiert auf etwa 1745 bis 1749, kombiniert Eichenkorpus, Furniere, Coromandel-Lack, vergoldete Bronzebeschläge und Steinplatten.
Dieses Beispiel zeigt luxuriöse Hof- und Stadtmöbel, ist aber keine Materialvorschrift für den gesamten Typ. Schlichtere Encoignuren und spätere Nachahmungen können deutlich anders konstruiert sein.
Encoignure, Eckschrank und Eckkommode
| Begriff | Typische Verwendung |
|---|---|
| Encoignure | Historischer französischer Fachbegriff für ein repräsentatives Eckschrankmöbel. |
| Eckschrank | Allgemeiner moderner und historischer Oberbegriff für Schränke in der Ecke. |
| Eckkommode | Betont eine kommodenartige, meist niedrigere Form; kann Türen oder Schubladen besitzen. |
| Étagère d’angle | Offenes Eckregal oder Präsentationsmöbel statt geschlossener Schrank. |
Aufstellung im Raum
Altbauten besitzen selten vollkommen rechte Winkel. Vor dem Aufstellen müssen beide Wandseiten, Sockelleisten und Bodenunebenheiten geprüft werden. Ein historisches Möbel darf nicht durch Druck in eine zu enge Ecke gezwungen werden.
Bei schweren Steinplatten ist ein ebener Stand besonders wichtig. Hohe oder kopflastige Eckmöbel benötigen gegebenenfalls eine reversible, fachlich geplante Sicherung. Ein modernes Sideboard erfüllt zwar ähnliche Stauraumaufgaben, nutzt die Ecke aber meist nicht so gezielt.
Original und Zustand beurteilen
Prüfen lassen sollte man Rückwand, Eckwinkel, Korpusverbindungen, Beschläge, Steinplatte und Furnier. Ein Paar ist nur dann besonders aussagekräftig, wenn Konstruktion, Maße und Dekor tatsächlich zusammengehören. Ersatzplatten und spätere Beschläge sind nicht automatisch wertlos, müssen aber transparent beschrieben werden.
Pflege
- Holz, Lack, Metall und Stein jeweils materialgerecht behandeln.
- Keine Möbelpolitur auf historische Lackpaneele oder vergoldete Bronze auftragen.
- Steinplatten nicht an überstehenden Kanten anheben.
- Feuchtigkeit und direkte Sonne vermeiden.
- Lose Beschläge und Furniere von Fachleuten sichern lassen.
Häufige Fragen zur Encoignure
Wie spricht man Encoignure aus?
Der französische Begriff wird ungefähr „An-koan-jür“ ausgesprochen. Im Handel sind unterschiedliche deutsche Annäherungen zu hören.
Ist eine Encoignure immer ein Paar?
Nein. Paarweise Stücke sind historisch belegt, doch einzelne Eckschränke sind ebenfalls Encoignuren.
Hat jede Encoignure eine Marmorplatte?
Nein. Steinplatten sind bei vielen hochwertigen französischen Exemplaren typisch, aber kein zwingendes Definitionsmerkmal.
Quellen und weiterführende Informationen
- The Metropolitan Museum of Art: Corner cabinet (encoignure), ca. 1745–1749
- The Metropolitan Museum of Art: French Furniture in the Eighteenth Century
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